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Blutrunst

 
 
 
 
 
 
 
   
blut ist ein ganz besondrer saft,
gibt den organen ihre kraft:
ein veritabler lebensborn!

doch im vergleich zum apfelkorn,
der auch dem körperwohle nützt,
fließt’s blut auf eine andre weise:

im steten kreise geht die reise!
doch im vergleich zum apfelkorn,
der aus der flachen flasche fließt,

wenn man ihn lustvoll in sich gießt,
hält mancher bürger das für fader.
drum sucht er eine schöne ader

an eines fremden menschen hals.
in sie sticht er ein loch rein, falls
ihr eigner sie davor nicht schützt.

indessen: wenn die roten ströme fließen,
nennt man solch handeln blutvergießen.
doch anders als der apfelkorn

ist derlei tun nicht unumstritten,
denn auf den blutkreislauf von dritten
darf man nicht einfach zugriff nehmen.

man müsst’ sich schon dazu bequemen,
eine lizenz dafür zu kriegen. –
nun: wie die dinge einmal liegen,

ist leicht ersatz dafür zu holen,
begnügt man sich mit blutsymbolen.
zwar: schärfer ist schon apfelkorn!

doch liegen kürbislichter vorn. –
so schallt’s von washington bis wien:
now let it bleed! it’s halloween!
   
   
Beitrag zum Schreibwettbewerb “Blutrunst” der Literarchie (Oktober/November 2013)