Übersicht der Gedichte
der planet der pferde
die flüssige bibliothek
x & y
poetologisches hors d’œuvre
schwalbenaufruhr
mehl-ahn kohly
la testa sopra le nuvole
à la côte des mouettes
silbiu. ein postromantisches poem
Das Poesiepaket
gans wi du wilsd
sommernachtstraum
liebesgedicht
traum von einem essen
dorfschindelexistenz
hommage aux ancêtres
Gedichtet
Das Poesiepaket
12 Gedichte. Ein Querschnitt des Bandes „zuletzt spricht der fasan“
Inhalt
traum von einem essen
trigonometrisch vollkommene siesta-alternative
herr berango unternimmt einen nachtspaziergang zum meer
midlife-tourismus
auf deiner schokoladenhaut
bei betrachtung von luxuszubehör
herbstliches missgeschick
gans wi du wilsd
der untergang des Abendlandes
träumerei
aufgelassen
sommernachtstraum
traum von einem essen
mir war als schrieb’ ich ein gedicht
als fräß’ ein zebra schwalben
als flög’ zu mir ein mondgesicht
erinnernd mich an meine pflicht
die katze einzusalben
mir war als reimt’ ich vor mich hin
die katze läg’ gebraten
zu füßen einer inderin
die rieb’ genüsslich sich das kinn
bereit zu leibestaten
mir war als schlösse nun mein lied
als spränge fort das mädchen
die katze höb’ ihr augenlid
das zebra schiene ihr morbid
und ich zerriss’ ein fädchen
trigonometrisch vollkommene siesta-alternative
nach exotisch lucullischer zungenverzärtelung
(mit, wie immer, etwas zu viel im maßlosen magen)
ermattet ins bett fallen: das heißt bittersüß scheitern,
nicht standhalten können der wahnsinnigen schönheit des augenblicks.
nun stell’ dir vor, in etwa gleicher entfernung wie das korrupte kissengrab
wartete, alternativ, der körperwarm schäumende atlantik auf dich
und die unsagbare hakte sich mit einem saufrechen lachen
einfach bei dir ein, um dich gleich nass zu machen.
ein trigonometrisches ideal, schwebt langbeinig sie neben dir her:
die sinus- und auch die anderen kurven schwingen dabei noch weit
harmonischer als es im buche steht, mit ihren sehnigen fingern
tangiert sie dich hüftlings, lässt auch von dir sich freundlich cotangieren. –
am strand verzweigen sich schwimmer und irdische wunder.
aus nächster nähe siehst du, wie sie halb im meer, halb im himmel liegt,
tropfen an ihrer kaffeehaut abperlen wie - wie perlen eben
und ihre leichtigkeit dich fortträgt: an diesem so unglaublich jungen tag.
herr berango unternimmt einen nachtspaziergang zum meer
regelrecht sonderbar ist herr berango,
denn er speist obst und geselchtes dazu.
nachmittags aalt er sich gerne in fango,
denn er will fit sein am abend beim tango,
wenn ihn die frauen berühren in ruh.
vormittags geht er zuerst in den garten.
wer ihn dort treffen wollt’, müsst’ freilich warten,
denn er spielt halma mit wilma, der kuh.
voll ist sein herz, doch sein haus steht fast leer.
spät in der nacht jedoch hört er dies rauschen
und bekommt lust, nun die bleibe zu tauschen:
heimlich und leise spaziert er zum meer.
midlife-tourismus
hier schlag ich meine Zelte auf,
hier in der fremde will ich leben,
und geht auch meine höhle drauf,
nehm ich das billigend in kauf.
wo schiss und neugier sich verweben,
dort find ich einen neuen lauf.
das meer soll mir entgegen beben,
ich werd mich trotzdem nicht ergeben
und wenn ich auch in ihm ersauf! –
indes: probleme mit dem rücken
behindern mich auf meiner strecke.
oft komm ich kaum die treppe rauf
und schreien könnte ich beim bücken.
drum schickt mir meine warme decke.
(schnell bitte!)
auf deiner schokoladenhaut
auf deiner schokoladenhaut
verdunsten finale askesen.
vor deiner goldnen honighaut
zerfließen erhabenste thesen.
ja unter deiner mangohaut
wär gern ich ein grashalm gewesen
um dann in deiner rosenhaut
von allem frust zu genesen.
bei betrachtung von luxuszubehör
ein paar damenschuhe, ja da: in der vitrine.
elegante steigung,
aber ungesund für’s rückgrat,
sagtest du.
freilich, deine luftigen nichtalternativen:
die dunkelduftenden rockwogen,
die seidenbluse in orange.
na, wenn schon:
meine blicke auf deinen körper,
unabgekühlt.
sei’s drum:
dein lippenstift,
magma in mein graues haar.
tief gefallen,
aber wenigstens hoch
verloren.
herbstliches missgeschick
von den drei dicken gelben birnen,
die bis in diese oktobertage hinein
ihre positionen am baum in diesem
völlig verwilderten garten behaupteten,
verdrückte ich zwei schon mal selbst.
die letzte ließ ich für dich hängen
als zeichen meiner liebe.
(lütt dirn kumm man röwer,
ick hebb ne birn.)
die aber schwächelte schon zu sehr,
um bis zum vereinbarten termin
an ihrem stiel durchzuhalten.
unser treffen fiel dann aus
und die birne ins gras,
wo sich sogleich ameisen, würmer
und schnecken über sie her machten.
gans wi du wilsd
ales is abgenuttsd!
du gugs gegwält.
hass mir den gobf gebudsd
und mir des maul geschdudsd,
damid ichs halden sol, des da erdsäld:
grise der sahgbarkaid!
huhre des bildz!
scheise im wörderglaid!
schvaveln auss eidelkaid! -
sack, was du dengsd, aber one gesilz!
ales is abgenuttsd!
du hass brovil.
hass mir den gobf gebudsd
und mir des maul geschdudsd,
damid ichs halden sol. jeds bin ich stil.
der untergang des Abendlandes
gurkenblut und girrende gitarren.
jurtenhut- und reitermützenhoch
halten gimpel budapest zum narren.
baltenwimpel falln ins pfützenloch.
„wehe wehe!”, deklamiert die zehe.
rehe lindern eingestampftes brot.
meiergüter, die ich gerne sehe:
eierbrüters fortgedampftes boot.
bunte mücken knabbern an megären.
rattenrüssel rasseln in die schlucht.
pralle meisen zwitschern für hetären.
nurmareisen tuckern vor der bucht.
Gesprochen
träumerei
so senkt sich denn ein dunkler glanz
aus schlaf auf ihre großen augen.
leer längst das glas und aus der tanz.
nun kann ihr weicher busen ganz
und gar mit träumen voll sich saugen. –
die augen auf der autobahn
strebt er zu neuen augenblicken.
sein schoß ist noch von sehnsucht voll,
von jenem holden frauenwahn.
ach könnt’ er sie nur alle sehen!
er ist der traummann, ein idol.
– und rast hinein in ihren traum
und wie ein traum platzt er dort wieder.
die frau liegt ruhig, sie atmet kaum,
doch unstet wandern ihre lider.
Gesprochen
aufgelassen
und quillt aus grauheit dir dein mal
half gestern noch das herz
in taubheit zuckt jetzt augenqual
mehr berg- als flüssewärts
doch wo man knochen gerne bricht
dort würgte man ein lied
hier winkt nur gänsegeierpflicht
in schädeln schizoid
zur kippe frönen sie dem sinn
verkrampfte afterbrut
verrätselt blickt die schwimmerin
und merkt nicht was sie tut
ihr köpfchen unterm baggersee
ins kröpfchen rein was kann
verklumptes asselarschpüree
verstummter zimmermann
der langohrjäger küßt die hirsch
und leichensport blüht auf
ein nulpenchor besingt den pirsch
und fünfe gehen drauf
sie will nicht haben was sie mag
das ist irrational
verklebtes maul am todestag
verscharrtes lustfanal
nunmehr – zuletzt – spricht der fasan:
der galgen schwankt im wind
hinauf das baumelkind
und alles blickt jetzt himmelan
sommernachtstraum
siebzehn goldne ferkel schweben
über einem schwarzen wald
brüderlich dem mond entgegen.
wer will das nicht miterleben:
quiekendhell das all erschallt!
vierunddreißig kettenraucher
husten morgens um die wett,
einundfünfzig tiefseetaucher
(auch ne art von luftverbraucher)
fallen abends müd ins bett.
doch mir ist das alles wurst:
heute denk ich nur in litern,
denn mich plagt ein jenseitsdurst:
welt!!! an dem wirst du erzittern.
