Übersicht des Interkulturellen

Wie AfD und Pegida ticken: Musterprojektion statt Mustererkennung

Angekommen – aufgenommen?  Zur schulischen Integration von Migrantenkindern

Interkulturelle Integration als Bildungsaufgabe

Wirtschaftskultur bzw. Interkulturalität im Bereich der Ökonomie

Intercultural competence learning: from “trait d’union” through to the Intercultural Driving Licence

What you see is what you are prepared to see.

Intercultipedia: Wiki for Gathering Descriptors of Intercultural Competence (Draft)

Intercultural Competence and its Certification

Die Polyvalenz des „trait d’union“-Projekts als Basis seiner Multikompatibilität und Nachhaltigkeit

Interkulturelles Lernen in Schule und Unterricht

“trait d’union” offers facilities for intercultural communication and its learning.

“Trait d’union – Bindestrich zwischen den Kulturen”, präsentiert in der Zeitschrift BEGEGNUNG (2012)

“trait d’union” - a learning and action platform for intercultural involvement

Migration and Integration

Die internationalen Treffen der “trait d’union”-Redakteure: Schüleraustausch als Projektarbeit

Plädoyer für ein Internationales Zentrum für InterKulturelles Lernen in Colomiers (2002)

“trait d’union” präsentiert zweisprachig den deutschen Schriftsteller Matthias Politycki (2001)

Die “trait d’union” Webseite, ein multimediales Forum des interkulturellen Lernens und Austauschs

Die “trait d’union” Ausgaben von n° 1/2001 bis n° 6/2006 und 8/2011

Programmatische Texte über die internationale Schülerzeitung “trait d’union” (2001-2012)

Europäische Projekte zum interkulturellen Lernen (seit 2000)

Dove est Faustina? Ein trilinguales Schüleraustausch-Projekt in Rom (1999)

Interkulturelles Lernen im Schüleraustausch (1997)

Vorschläge zur Didaktik, Methodik und Organisation einer Auslands-Studienfahrt (1992)

Interkultur

Interkulturelles Lernen in Schule und Unterricht

     
Von Lothar Thiel
   
   
tdu-Meeting 2010 bio-rom

   
Wer heutzutage die Begriffe „Interkulturelle Kompetenz“ und „Schlüsselqualifikation“ in eine Internetsuchmaschine eingibt, wird schnell und nicht zu knapp fündig werden. Die Fähigkeit, mit kultureller Verschiedenheit konstruktiv umzugehen, das Vermögen von Personen unterschiedlicher Kulturen erfolgreich zu interagieren, wird immer mehr zu einer Grundvoraussetzung, sowohl des Lebens in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft, als auch des Arbeitens in einer Berufswelt, in der internationale Vernetzung eine immer größere Rolle spielt.

In den Institutionen der Allgemeinbildung, den Schulen, hat diese Erkenntnis bisher nur bedingt zu angemessenen Konsequenzen geführt. Zwar machen vielen Schulen – der EU-Kommission sei’s gedankt – von der Möglichkeit, sich an internationalen Schulprojekten (als „Comenius-Projekte“ europaweit bekannt) zu beteiligen. Die Konzeptionen solcher Projekte orientieren sich aber oft nur an den vorhandenen Unterrichtsstrukturen der teilnehmenden Schulen im Sinne der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Häufig wollen die an der Planung Beteiligten schnell zu einem unkompliziert durchführbaren Projektkonzept gelangen, bei dem die Harmonie zwischen den Teilnehmern quasi vorprogrammiert ist und Interferenzen mit dem Unterrichtsablauf der jeweils gastgebenden Schule so weit wie möglich vermieden werden. Dass dabei wunderbare Reisen stattfinden und nicht nur situative Sympathie, sondern auch dauerhafte Freundschaften entstehen können, sogar das eine oder andere Vorurteil abgebaut werden kann, ist unbestritten.

Trotzdem sei die Frage erlaubt, ob’s denn nicht ein bisschen mehr sein darf:

Ob das wichtigste schulinterne Kriterium für die Beurteilung eines internationalen Schulprojekts tatsächlich kein anderes sein kann als die Frage, in welchem Umfang durch das Projekt der ‚normale‘ Unterricht ‚gestört‘ wurde oder gar seinetwegen Unterrichtsstunden ausgefallen sind!

Und ob der Wunsch, das internationale Projekt möge in diesem Sinne möglichst spurlos am Schulalltag vorübergehen, nicht allmählich dem umgekehrten Ziel Platz machen sollte, an internationalen Schulprojekten teilzunehmen, damit sie Spuren hinterlassen, also die Schul-, insbesondere die Unterrichtsentwicklung der teilnehmenden Einrichtungen aus ihnen innovative Impulse im Sinne des interkulturellen Lernens erhalten – und sie so zu gestalten, dass dies auch erreicht wird.

tdu-redaktion 2001 Toulouse

In vielen Ländern hat das Lernziel „Interkulturelle Kompetenz“ in die Lehrpläne der Schulfächer Einzug gehalten, insbesondere in die der Fremdsprachen. Auch wenn sich die Ausgestaltung dieses Lernziels, vor allem in Schulbüchern, längst nicht mehr auf Informationen über traditionelle Eigentümlichkeiten wie etwa den Schottenrock oder Weihnachtsplätzchenbacken in Neapel beschränkt, vertritt der Verfasser dieses Textes die Auffassung, dass interkulturelle Kompetenz, die ja wesentlich Kommunikations- und Handlungskompetenz ist, nur in einer Lernumgebung, die reale interkulturelle Konstellationen beinhaltet, erworben werden kann.

Die Beantwortung der Frage, wie etwa die Integration eines Seiteneinsteigers aus einem anderen Land in die eigene Schulgemeinschaft optimal zu gestalten sei – nämlich dass sowohl der ‚Neue‘, als auch die Aufnehmenden daraus Gewinn ziehen – kann per se in einer solchen Lernumgebung stattfinden und Anlass zu Unterrichtsaktivitäten in vielen verschiedenen Fächern bieten. Schüler, die sich am Aufbau einer entsprechenden Integrationskultur an ihrer Schule beteiligen, z.B. als Integrationsassistenten, werden zweifellos in bedeutendem Umfang an interkultureller Kompetenz gewinnen (was man ihnen übrigens auch in einem Zertifikat bestätigen könnte).

Doch auch Schulen, an denen solche Seiteneinstiege selten vorkommen, können interkulturelles Lernen, das sich nicht auf Schulbuchtheorie beschränkt, in ihren Unterricht integrieren. Dazu empfiehlt es sich, dass Schüler aus verschiedenen Ländern gemeinsam lernen, d.h. in einem zeitlich begrenzten oder auf Permanenz angelegten internationalen Unterrichts- bzw. Schulprojekt zusammenarbeiten.

Selbstverständlich muss sich die gemeinsame Planung eines solchen Projekts an den unterschiedlichen Voraussetzungen der potentiellen Teilnehmerschulen orientieren, wenn sie erfolgreich sein soll. Aber eben nicht, indem sie die Projektziele am kleinsten gemeinsamen Nenner der schon vorhandenen Strukturen ausrichtet (s.o.!), sondern indem sie nach dem größtmöglichen gemeinsamen Nenner sucht, sich also fragt, worin das Maximum an gemeinsamem interkulturellem Lernen in der jeweiligen Situation besteht, an welchen Stellen und inwieweit die vorhandenen Schulstrukturen in den verschiedenen Ländern für Weiterentwicklungen offen sind und mit welchen Lernformen diese erreicht werden können.

Gemeinsame interkulturelle Lernprojekte müssen demnach so gestaltet werden, dass sie an unterschiedliche schulische bzw. kulturelle Bedingungen adaptiert werden können. Dazu ein Beispiel: Die 2000 in Colomiers/Frankreich von der Deutschen Schule Toulouse und dem Lycée International Polyvalent „Victor Hugo“ de Colomiers gegründete internationale Schülerzeitung „trait d’union“ wurde an manchen Teilnehmerschulen als Arbeitsgemeinschaft, an anderen innerhalb des Fachunterrichts und an einer Schule sogar im Rahmen eines neuen (Wahl-) Schulfachs „Interkulturelle Kompetenz“ mit Leben erfüllt. Diese schulkulturelle, schulorganisatorische und pädagogische Polyvalenz und die auf ihr basierende Multikompatibilität der Projektstruktur sind wesentliche Bedingungen für das Gelingen und auch die Dauer des Projekts – und eben dies ist nicht zuletzt selbst eine wichtige interkulturelle Erkenntnis!

Der Verfasser dieses Textes hat als Projektleiter von „trait d’union“ seit dem Jahr 2000 immer wieder über Konzepte der Integration projektorientierten interkulturellen Lernens nachgedacht, was sich in verschiedener Form, von fragmentarischen Entwürfen bis zu curricularen Modulen, manifestiert hat. Einiges davon (außer München 2006) soll im Folgenden vorgestellt werden.
     
   
Das « trait d’union » Manifest (Toulouse 2002): Pädagogische Projektbeschreibung der Internationalen Multimedia-Schülerzeitung mit Anwendungsvorschlägen für den Unterricht

trait d’union als Plattform für interkulturelle Lektüreprojekte (Toulouse/München 2005)

Intercultural Story Writing about Courage (München 2005)

Angela Köstler, Einsatz der internationalen Schülerzeitung „trait d’union” im Spanischunterricht am Gymnasium (München 2006)

Fragmentarischer Curriculumsentwurf für ein Wahlfach “Interkulturelle Kompetenz” (München 2007)

Philosophie als interkultureller Projektunterricht (Bilbao 2009)

Lothar Thiel: Zusammenarbeit in International Editorial Teams - IET (2010). Dieser Vorschlag sollte zu vermehrter direkter Kooperation zwischen den Schülern verschiedener Länder während des Projektprozesses motivieren, sowohl via Internet (trait d’union Editorial Office), als auch bei der Zusammenarbeit auf den Projekttreffen. In Abhängigkeit von den Unterrichtsmethoden der teilnehmenden Schulen, kann projektbezogenes Lernen mittels IET auch in den Fachunterricht integriert werden.

Interkulturelle Kompetenz als Additum zu Schulcurricula (Bilbao 2011)

Interkulturelle Kompetenz als optionaler Bereich des Schulcurriculums Geschichte (Bilbao 2012)


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Bild 1: Internationales “trait d’union” Projekttreffen 2010 an der Deutschen Schule Bilbao

Bild 2: Die “trait d’union”-Redaktion 2001 in Colomiers, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der Deutschen Schule Toulouse und des Lycée Polyvalent International “Victor Hugo” de Colomiers/Frankreich, bei einer Sitzung ihrer gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft